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Was ist Effectuation?

Eine unternehmerische Denk- und Handlungslogik für Situationen mit Unsicherheit

Organisationen und Führungspersonen stehen heute zunehmend vor Situationen, in denen klassische Planung an ihre Grenzen kommt. Ziele sind nicht klar definiert, Rahmenbedingungen verändern sich laufend, und Entscheidungen müssen getroffen werden, ohne dass verlässliche Prognosen möglich sind.

Für genau solche Kontexte wurde das Konzept Effectuation entwickelt.


Ziele sind nicht klar definiert, Rahmenbedingungen verändern sich laufend, und Entscheidungen müssen getroffen werden, ohne dass verlässliche Prognosen möglich sind.
Bild: H Barth

Ausgangspunkt von Effectuation

Effectuation beschreibt eine unternehmerische Logik, die nicht davon ausgeht, dass Zukunft vorhersehbar oder vollständig planbar ist. Stattdessen fragt sie:


"Wie handeln Menschen wirksam, wenn Ziele unklar sind und Sicherheit fehlt?"


Das Konzept basiert auf der Analyse realer Entscheidungs- und Handlungsweisen erfahrener Unternehmer:innen. Es beschreibt kein Idealmodell, sondern beobachtete Praxis.


Zentral ist die Annahme:


"Zukunft entsteht nicht durch Prognose, sondern durch

konsequentes Handeln im Hier und Jetzt, gemeinsam mit anderen."


Effectuation im Unterschied zur klassischen Planung

Klassische (kausale) Logik folgt meist diesem Muster:

  • Ziel definieren

  • Mittel planen

  • Risiken minimieren

  • Umsetzung kontrollieren

Effectuation setzt an einem anderen Punkt an:

  • Ausgangslage klären

  • Handlungsspielräume nutzen

  • Einsatz begrenzen

  • Lernen im Prozess ermöglichen

Beide Logiken haben ihre Berechtigung. Effectuation wird dort relevant, wo Zielklarheit (noch) nicht vorhanden ist.


Die fünf Grundprinzipien der Effectuation


1. Start mit dem Vorhandenen („Bird in Hand“)

Nicht die Frage nach dem Endziel steht am Anfang, sondern:

  • Wer bin ich?

  • Was kann ich?

  • Wen kenne ich?

Entwicklung beginnt bei Identität, Fähigkeiten und Beziehungen.


2. Leistbarer Einsatz statt maximaler Gewinn („Affordable Loss“)

Entscheidend ist nicht, wie gross der potenzielle Ertrag ist, sondern:

  • Was bin ich bereit zu investieren?

  • Was kann ich verlieren, ohne mich oder das System zu überfordern?

Diese Logik ermöglicht Handeln ohne existenzielle Risiken.


3. Ko-Kreation statt Konkurrenz („Crazy Quilt“)

Partnerschaften entstehen früh. Andere Akteur:innen werden nicht als Konkurrenz betrachtet, sondern als Mitgestaltende.

Zukunft wird gemeinsam entwickelt – nicht allein entworfen.


4. Unerwartetes nutzen („Lemonade“)

Überraschungen, Abweichungen und Fehler gelten nicht als Störungen, sondern als Lernmaterial. Entscheidend ist, wie mit dem Unerwarteten umgegangen wird.


5. Gestaltbarkeit statt Kontrolle („Pilot in the Plane“)

Die Zukunft wird nicht als äussere Macht verstanden, sondern als etwas, das durch Entscheidungen und Handlungen beeinflusst werden kann.

Handlungsfähigkeit steht vor Kontrolle.


Wofür eignet sich Effectuation besonders?

Effectuation ist besonders hilfreich:

  • in frühen Entwicklungsphasen

  • bei Neuausrichtungen

  • in Innovations- oder Pioniersituationen

  • bei unklaren Mandaten

  • in komplexen, dynamischen Umfeldern

Sie ist weniger geeignet dort, wo:

  • stabile Prozesse dominieren

  • klare Zielvorgaben bestehen

  • Verlässlichkeit und Reproduzierbarkeit im Vordergrund stehen

Effectuation und Organisationsentwicklung

Für die Organisationsentwicklung ist Effectuation kein Ersatz, sondern eine ergänzende Denklogik.

Sie stärkt:

  • Handlungsfähigkeit unter Unsicherheit

  • Lernorientierung

  • Verantwortung im Tun

  • Beziehungsgestaltung

Gleichzeitig braucht es OE, um:

  • Rollen und Verantwortlichkeiten zu klären

  • Strukturen tragfähig zu gestalten

  • individuelle Initiative in kollektive Ordnung zu integrieren

Effectuation wirkt dort am stärksten, wo sie in einen reflektierten organisationalen Rahmen eingebettet ist.


Fazit

Effectuation ist keine Methode im klassischen Sinn und kein Rezept für schnelle Lösungen.Sie ist eine Haltung zum Handeln, wenn Zukunft offen ist.

Für Organisationen und Führungspersonen eröffnet sie die Möglichkeit,

  • Unsicherheit nicht zu verdrängen,

  • sondern bewusst mit ihr zu arbeiten.


Sie stehen in Ihrer Organisation vor offenen Fragen, unklaren Zielbildern oder schwierigen Entscheidungsprozessen?

Wir begleiten Organisationen und Führungspersonen dabei, unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben – mit Klarheit über Haltung, Verantwortung und nächste Schritte.

👉 Gerne kommen wir mit Ihnen ins Gespräch.



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