Das Dramadreieck – ein Modell für destruktive Beziehungsdynamiken
- Michael Giger

- 21. März
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. März
Was ist das Dramadreieck?
Das Dramadreieck ist ein Modell aus der Transaktionsanalyse, entwickelt vom amerikanischen Psychiater Stephen Karpman in den 1960er-Jahren. Es beschreibt typische, sich wiederholende Interaktionsmuster, die in Konfliktsituationen entstehen – im Alltag, in Familien, in Teams und in Organisationen.
Das Modell unterscheidet drei Rollen, die Menschen in Konflikten unbewusst einnehmen:

Die drei Rollen im Dramadreieck
Der Täter(Persecutor) Der Täter übt Druck aus, kontrolliert, kritisiert und macht Vorwürfe. Er fühlt sich im Recht – und wertet andere ab. Die Täter-Rolle entsteht oft aus Überforderung, Angst oder dem Bedürfnis nach Kontrolle. Sie wirkt nach aussen dominant, ist innerlich aber häufig von Unsicherheit getrieben.
Typische Aussagen: «Das ist doch nicht so schwer.», «Wer ist hier verantwortlich?», oder «Das hätte nicht passieren dürfen.»
Das Opfer(Victim) Das Opfer fühlt sich hilflos, ausgeliefert und unverstanden. Es übernimmt keine Verantwortung für die eigene Situation – und lädt damit andere ein, entweder zu retten oder zu verfolgen. Die Opfer-Rolle ist keine Schwäche des Charakters, sondern ein erlerntes Muster.
Typische Aussagen: «Ich kann da nichts machen.» – «Das passiert mir immer.» , «Niemand versteht mich.»
Der Retter(Rescuer) Der Retter hilft, auch wenn er nicht darum gebeten wurde. Er übernimmt Verantwortung für andere, wertet damit unbewusst deren Fähigkeiten ab und erschöpft sich selbst. Die Retter-Rolle fühlt sich tugendhaft an, ist aber oft Ausdruck eines eigenen Bedürfnisses nach Anerkennung oder Kontrolle.
Typische Aussagen: «Ich mache das schon.», «Du schaffst das allein nicht.» oder «Ich kümmere mich darum.»
Das Tückische: Die Rollen wechseln
Was das Dramadreieck so komplex macht, ist der ständige Rollenwechsel. Wer heute rettet, ist morgen Täter. Wer sich als Opfer präsentiert, kann plötzlich angreifen. Diese Dynamik geschieht meist unbewusst und hinterlässt alle Beteiligten verwirrt, erschöpft und mit dem Gefühl, nicht verstanden zu werden.
Warum ist das Dramadreieck relevant für Organisationen?
In Teams, Leitungsgremien und Behörden zeigen sich diese Muster regelmässig, oft verkleidet als Kommunikationsprobleme, Führungsschwäche oder «schwierige Persönlichkeiten». Das Dramadreieck macht sichtbar, dass das Problem selten bei einzelnen Personen liegt, sondern in den Dynamiken des Systems.
Wer diese Muster erkennt, gewinnt Handlungsspielraum für sich selbst und für seine Organisation.
Der Ausstieg: Bewusstsein schafft Veränderung
Das Dramadreieck zu kennen, ist der erste Schritt heraus. Der zweite Schritt ist die ehrliche Frage: «Welche Rolle nehme ich gerade ein?»
Die Antwort darauf ist unbequem. Und sie ist der Beginn von echter Führung.
Sinnesis begleitet Führungspersonen und Teams dabei, destruktive Dynamiken zu erkennen und konstruktiv zu gestalten, mit systemischer Prozessführung und dem Trigon-Ansatz.
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Michael Giger
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