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Miteinander lässt sich lernen: Was hinter pack ma’s steckt

7. Okt.
4 Min. Lesezeit

«Wir gehen respektvoll miteinander um.» Dieser Satz ist schnell gesagt. Die pädagogische Aufgabe beginnt dort, wo eine Gruppe herausfinden soll, was er konkret bedeutet. pack ma’s verbindet dafür praktische Übungen und Rollenspiele mit Reflexion. Im Multiplikatorentraining lernen Fachpersonen das Konzept kennen, um es anschliessend selbst mit Kindern und Jugendlichen umzusetzen.



Von einem guten Vorsatz zu gemeinsamem Lernen

Was bedeutet Vertrauen für mich – und was für andere? Wann erlebe ich Zugehörigkeit? Wie verständigen wir uns, wenn dieselbe Situation unterschiedlich wahrgenommen wird?

Das sind Fragen, die sich nicht allein durch das Vorlesen einer Regel beantworten lassen. Sie brauchen Aufmerksamkeit für das Erleben der Beteiligten und Gelegenheiten, darüber ins Gespräch zu kommen. Dabei geht es nicht darum, alle auf eine identische Sichtweise festzulegen. Unterschiedliche Wahrnehmungen sollen verständlich werden, damit ein bewusster Umgang miteinander möglich wird.


Für mich liegt darin ein wichtiger Zugang zu sozialem Lernen: Eine Aktivität wird zum Lernanlass, wenn wir nicht nur fragen, ob sie gelungen ist, sondern auch, was sie für die Beteiligten bedeutet und was sich daraus für den Alltag ableiten lässt.


Was ist pack ma’s?

pack ma’s ist ein soziales Training, das Gemeinschaft, Vertrauen, Empathie und den Umgang miteinander zum Thema macht. Die Weiterbildung der Sinnesis Akademie ist als Multiplikatorentraining angelegt: Nicht Kinder und Jugendliche nehmen an diesen beiden Kurstagen teil, sondern die Fachpersonen, die später mit ihnen arbeiten.

Die Teilnehmenden erleben Übungen und Rollenspiele selbst, reflektieren unterschiedliche Perspektiven und lernen das Konzept zur eigenständigen Umsetzung kennen. Damit verbindet das Format zwei Rollen: selbst Teil einer lernenden Gruppe zu sein und sich zugleich mit der späteren pädagogischen Anwendung auseinanderzusetzen.


Der Leitgedanke lautet:

Selbst erleben. Gemeinsam reflektieren. Im Alltag anwenden.


Drei Lernschritte, die zusammengehören


1. Selbst erleben

Wer eine Methode selbst erlebt, kann die eigene Wahrnehmung zum Ausgangspunkt der Reflexion machen. Was habe ich bemerkt? Was war für mich klar? Wo war ich unsicher?

Im Training stehen dafür praktische Übungen und Rollenspiele zur Verfügung. Es geht also nicht ausschliesslich um einen Vortrag über soziales Lernen. Das eigene Erleben ist Teil des Lernwegs – ohne daraus abzuleiten, dass später alle Kinder und Jugendlichen gleich empfinden werden.


2. Gemeinsam reflektieren

Erfahrungen erklären sich nicht von selbst. Eine Gruppe kann dieselbe Aufgabe bearbeiten und dabei sehr Verschiedenes wahrnehmen. Die gemeinsame Reflexion eröffnet die Möglichkeit, diese Unterschiede zu verstehen.

Hilfreiche Fragen können beispielsweise sein: «Was hast Du wahrgenommen?», «Welche Sichtweise war Dir bisher nicht bewusst?» oder «Was wäre Dir beim nächsten Mal wichtig?» Diese Fragen veranschaulichen unsere pädagogische Perspektive; sie sind kein festgelegter Gesprächsleitfaden des Kursprogramms.

Entscheidend ist, das Erleben nicht vorschnell zu bewerten oder eine gewünschte Antwort vorzugeben. Empathie bedeutet hier nicht, alles gleich zu sehen, sondern sich ernsthaft für die Wahrnehmung anderer zu interessieren.


3. In die eigene Praxis übertragen

Das Multiplikatorentraining richtet den Blick über die beiden Kurstage hinaus. Die Teilnehmenden lernen das Konzept zur anschliessenden selbständigen Umsetzung mit Kindern und Jugendlichen kennen. Auch eine Übertragung der Übungen auf Schulungen mit Erwachsenen ist möglich.

Für die spätere Anwendung bleiben professionelle Fragen wichtig: Was passt zu meiner Gruppe? Wie berücksichtige ich unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten? Welchen Rahmen braucht die gemeinsame Reflexion? Der Besuch eines Trainings ersetzt nicht die Verantwortung, die eigene pädagogische Situation sorgfältig einzuschätzen.


Vier Themenfelder des Trainings


Gemeinschaft und Vertrauen

Die Teilnehmenden erleben Übungen, die Zusammenhalt und gegenseitiges Vertrauen zum Thema machen. Für die pädagogische Arbeit ist dabei eine wichtige Frage: Wie kann Zugehörigkeit gestaltet werden, ohne dass Einzelne ihre persönlichen Grenzen übergehen müssen?


Empathie und Perspektivenwechsel

Hier steht im Mittelpunkt, wie unterschiedliche Sichtweisen erlebbar gemacht werden können. Es geht nicht lediglich darum, andere Meinungen aufzuzählen. Die Frage ist, wie Lernen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Erleben anderer ermöglicht.


Handlungsmöglichkeiten im Alltag

Die Teilnehmenden lernen, wie ein bewusster Umgang mit herausfordernden Situationen und gemeinsame Regeln erarbeitet werden können. Damit rückt neben der einzelnen Übung die Verständigung über das weitere Miteinander in den Blick.


Transfer in die eigene Praxis

Fachpersonen lernen das Konzept zur selbständigen Umsetzung kennen. Der Multiplikatorengedanke liegt darin, dass sie das Gelernte in ihre eigene Arbeit weitertragen können – nicht darin, dass die Kursleitung die pädagogische Verantwortung für ihre Gruppen übernimmt.


Für wen ist das Angebot gedacht?

Das Training richtet sich an Lehrpersonen, Schulsozialarbeitende, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Jugendarbeitende in der offenen und in der kirchlichen Jugendarbeit sowie Fachpersonen für Prävention und Bündner Standard. Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.


Passend ist die Weiterbildung insbesondere dann, wenn Sie sich praktisch mit sozialem Lernen auseinandersetzen und das Konzept später selbst anwenden möchten. Wenn Sie Fragen zur Eignung für Ihre konkrete Gruppe haben, klären Sie diese vor der Anmeldung mit uns. Aus der breiten Zielgruppe folgt nicht, dass jede Methode unverändert für jede Situation geeignet ist.


Pädagogisches Lernen und institutioneller Schutz sind nicht dasselbe

Prävention und der Schutz persönlicher Integrität brauchen mehr als ein Training. Erwachsene und Organisationen tragen Verantwortung für klare Zuständigkeiten, zugängliche Ansprechpersonen und einen verlässlichen Umgang mit Hinweisen auf Grenzverletzungen.


pack ma’s kann die pädagogische Arbeit am respektvollen Miteinander ergänzen. Es ersetzt weder ein Schutzkonzept noch eine organisationsspezifische Implementierung des Bündner Standards. Auch ist es kein Versprechen, dass Grenzverletzungen anschliessend ausgeschlossen sind.

Wie diese Ebenen zusammengehören, erläutert Markus Ramm im Beitrag «Persönliche Integrität schützen: Wie aus Haltung pädagogischer Alltag wird».


Warum wir uns bei Sinnesis dafür engagieren Sinnesis verbindet

Organisationsentwicklung und Prozessbegleitung mit der Implementierung des Bündner Standards. Wir unterstützen Organisationen dabei, Verantwortung, Zusammenarbeit und Prävention im Alltag zu verankern.


Mit der Sinnesis Akademie schaffen wir daneben Lerngelegenheiten für Fachpersonen. Unser Anliegen ist, institutionelle Verantwortung und pädagogisches Handeln zusammenzudenken, ohne beides zu vermischen. Dazu gehört auch, die Grenzen eines Angebots offen zu benennen und die Wahl einer passenden Weiterbildung zu unterstützen.


pack ma’s in Winterthur: die Veranstaltung

Die Kursleitung übernehmen Ralph Kappelmeier aus München, mit langjähriger Erfahrung als Trainer für soziale Trainingskurse, und Alexander Fuchs, seit 2018 Trainer für pack ma’s.

  • Mittwoch, 4. November 2026: 14.00–18.00 Uhr

  • Donnerstag, 5. November 2026: 08.30–16.30 Uhr


Ort: Kirchgemeindehaus Liebestrasse, Liebestrasse 3, 8400 Winterthur.

Kosten: CHF 475.– pro Person für beide Kurstage, inklusive Pausenverpflegung und Tagungsunterlagen. Mittagessen am 5. November und Übernachtung organisieren und bezahlen die Teilnehmenden selbst.

Anmeldeschluss: 27. Oktober 2026.




Fragen zur Teilnahme oder zur Passung für Ihr Arbeitsfeld beantwortet Michael Giger.

Möchten Sie darüber hinaus Prävention und Schutzstrukturen in Ihrer Organisation weiterentwickeln? Kontaktieren Sie mich unter:


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